Treaty of Sèvres

    25.04.2018 | Campus Berlin Süd

    Friedensverträge betrachtet man im Unterricht im Allgemeinen nur von außen. Man beschreibt die verschiedenen Bestimmungen, vergleicht diese bzw. die Veränderung auf einer Karte und erklärt oder erörtert die Bedeutung des Vertrages. Oft fehlt daher das Verständnis dafür, unter welchen Bedingungen der Vertrag zustandegekommen ist bzw. verabschiedet wurde. Auch ist es oft schwer nachzuvollziehen, welche Rolle die verschiedenen Akteure, die den Friedensvertrag gestalten, einnehmen.
    Daher hatten die Schülerinnen und Schüler des Politikkurses der 11. und 12. Klasse (fächerübergreifend Geo, Ge, PoWi) die Gelegenheit, am Beispiel des Friedensvertrages von Sèvres, der nach dem Ersten Weltkrieg mit dem besiegten Osmanischen Reich abgeschlossen wurde, die Gestaltung von Geschichte nachzuvollziehen. Hierfür schlüpften sie in die verschiedenen tatsächlich anwesend gewesenen Akteure, übernahmen ihre Positionen und Hintergründe, verkleideten sich, debattierten, stimmten ab und reflektierten die Ergebnisse der Verhandlungen. Hierfür musste jeder eine Rede vorbereiten, die auf Grundlage des historischen Hintergrundes und der Position des Akteurs die anderen Teilnehmer davon überzeugen sollte, für oder gegen einzelne Bestimmungen zu stimmen. Auch im Hintergrund wurde taktiert, verhandelt und sabotiert. Mr. Slattery stellte nicht nur die passende Atmosphäre, Utensilien und Materialien zur Verfügung, sondern kümmerte sich auch, ganz im Sinne der Kultur, um spezifische Speisen.
    Wurde die Geschichte verändert? - ein wenig zumindest. Vor allem aber konnte nachvollzogen werden, unter welchen Umständen Entscheidungen getroffen werden, wie Handlungsoptionen entstehen und limitert werden, wie sich Zusammenarbeit gestaltet und letztlich ein Friedensvertrag entsteht, der wie kaum ein anderer die Geschichte und Probleme der heutigen Region um das alte Osmanische Reich prägt.
    Um heutige und zukünftige Probleme zu erkennen, bedarf es den Blick in die Vergangenheit, manchmal auch das nachvollziehen vergangener Entscheidungen, um zukünftiges Handeln zu ermöglichen.